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Insights
DrupalCon Rotterdam Recap

Drei Tage DrupalCon. Und ziemlich viel, das hängen bleibt.

Über AI, Canvas und die Zukunft der Softwareentwicklung. Über eine Community, die sich neu erklären muss. Und über eine Erkenntnis, die vieles zusammenfasst: Drupal ist seiner öffentlichen Wahrnehmung technologisch um Lichtjahre voraus.

Max und Chrissi bei der DrupalCon

Drei Tage DrupalCon Europe in Rotterdam liegen hinter uns. Drei Tage voller Talks, Diskussionen, neuer Ideen und Begegnungen – und mit der durchaus beruhigenden Erkenntnis, dass Drupal technologisch gerade ziemlich viel richtig macht.

Oder, wie es auf der DrupalCon so schön hieß: „Drupal is lightyears ahead of its reputation.“

Das trifft einen Punkt. Während außerhalb der Drupal-Bubble noch immer darüber diskutiert wird, ob Drupal überhaupt relevant ist, beschäftigt sich die Community längst mit AI Agents, neuen Interfaces, modernen Sitebuilding-Konzepten und der Frage, wie Softwareentwicklung aussieht, wenn immer mehr Code von Maschinen geschrieben wird.

Christopher und Max waren für BRANDCODE in Rotterdam. Das ist hängengeblieben.

Drupal kann mehr. Jetzt muss es nur noch jemand erzählen.

Ein fester Termin jeder DrupalCon ist die Driesnote, die Keynote von Drupal-Gründer Dries Buytaert. Dieses Mal blieb bei uns vor allem ein Thema hängen, das zunächst gar nicht besonders technisch klingt: Drupal muss besser darin werden, über Drupal zu sprechen.

Interessant daran: Genau darüber haben wir intern schon häufiger diskutiert.

Für die Arbeit an Issues gibt es in der Drupal-Community seit Langem ein Credit-System. Sichtbar wird damit vor allem die technische Contribution. Wer Veranstaltungen organisiert, Wissen vermittelt, Menschen zusammenbringt oder Drupal kommunikativ voranbringt, trägt ebenfalls zum Projekt bei – diese Arbeit bleibt bislang aber deutlich stärker im Schatten.

Das soll sich mit dem Drupal Advocacy Program ändern. Dries rief die Community ausdrücklich dazu auf, mehr über Drupal zu berichten und die Entwicklung des Projekts sichtbarer zu machen.

Und das ist tatsächlich notwendig. Drupal hat sich technologisch in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt und ist beispielsweise bei der Integration von AI ausgesprochen weit. Die öffentliche Wahrnehmung hält damit nicht unbedingt Schritt.

Man muss nur bei Google „Is Drupal …“ eingeben und sich ansehen, was die Autovervollständigung daraus macht: „dead?“, „still relevant?“ und ähnliche Fragen.

Also gut, Dries. Wir haben verstanden. Hier ist unser DrupalCon Recap.

Sprecher präsentiert auf einer Konferenz

AI ist längst mehr als ein Buzzword

Natürlich kam auch die Driesnote 2026 nicht ohne AI aus. Spannender als die bloße Präsenz des Themas ist inzwischen aber, wie konkret die Anwendungen werden.

Mit der Drupal AI Demo lässt sich beispielsweise ein fertig eingerichtetes Drupal-System mit integrierten AI-Funktionen direkt ausprobieren. Das senkt die Hürde erheblich, sich nicht nur theoretisch mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

Noch interessanter finden wir einen anderen Gedanken: Agents are another interface to Drupal.

Statt sich durch ein Backend zu klicken und dort die passende Funktion zu suchen, könnte man einem Agent einfach sagen, was in Drupal passieren soll. Inhalte erstellen, ändern oder verwalten – per natürlicher Sprache aus ChatGPT & Co.

Mit Agent Access gibt es dafür bereits ein Drupal-Modul. Das müssen wir ausprobieren.

Wenn Maschinen programmieren, verändert sich die Rolle der Entwickler

Bei der Vielzahl an Sessions auf einer DrupalCon ist es im Nachhinein gar nicht so einfach zu sagen, welche Talks tatsächlich etwas ausgelöst haben. Zwei sind uns besonders im Gedächtnis geblieben.

Einer davon war „Clean Code in the Age of AI: Writing for Humans When Machines Write the Code“ von Len Swaneveld (@lendude).

Radikal Neues haben wir dort gar nicht gehört. Und genau das war eigentlich die gute Nachricht.

Der kurzweilige Talk für echte Developer hat vieles bestätigt, was wir selbst gerade in der täglichen Arbeit erleben: Entwickler schreiben weniger Code komplett selbst. Stattdessen verschiebt sich ihre Rolle immer stärker dahin, Ergebnisse von LLMs zu beurteilen, zu hinterfragen, zu verbessern – und Verantwortung dafür zu übernehmen.

Die Fähigkeit, guten Code zu erkennen und eine Softwarearchitektur wirklich zu verstehen, wird dadurch nicht weniger wichtig. Im Gegenteil.

Oder in Dries' Worten: „Never commit anything you don't understand.“

Human in the Loop ist eben keine Übergangslösung.

Voller Workshopraum mit Menschen an Laptops in hellem Büro mit großen Fenstern

Bevor es überhaupt losging, waren wir schon mittendrin

Der eigentlichen DrupalCon vorgelagert war ein Tag mit verschiedenen Summits. Wir haben uns aufgeteilt und den Higher Education Summit und den AI Business Summit besucht.

Letzterer fand auf einem Schiff statt – womit Rotterdam als Gastgeberstadt bereits am ersten Tag ein paar Bonuspunkte gesammelt hatte.

Vor allem aber wurde hier wieder deutlich, was eine DrupalCon neben all den Sessions ausmacht: Menschen treffen, Erfahrungen austauschen, Diskussionen weiterführen und plötzlich mit Leuten am Tisch stehen, die sich mit erstaunlich ähnlichen Fragen beschäftigen wie man selbst.

Schon nach dem ersten Tag waren die Köpfe ziemlich voll – und die Liste neuer Kontakte deutlich länger.

Müssen wir unsere Meinung zu Drupal Canvas ändern?

Vielleicht.

Bislang war unsere Haltung zu Drupal Canvas eher zurückhaltend. Für unsere Projekte fehlten uns wichtige Voraussetzungen, dazu kamen Bugs und einige offene konzeptionelle Fragen.

Der Talk „Advanced Site Building with Drupal Canvas“ von Ted Bowman (@Tedbow) hat uns zumindest ins Grübeln gebracht.

Canvas entwickelt sich weiter. Und zwar so, dass wir uns das System in nächster Zeit noch einmal genauer ansehen werden.

Ob es für unsere Art von Projekten tatsächlich die richtige Lösung wird, ist damit noch nicht entschieden. Gleichzeitig beobachten wir mit Display Builder eine weitere interessante Entwicklung.

Aber aus einem „für uns derzeit nicht relevant“ ist in Rotterdam zumindest ein „das schauen wir uns noch einmal an“ geworden.

Auch das ist doch schon etwas.

Kreuzfahrtschiff von außen, Empfangshalle mit Gästen, eleganter Veranstaltungssaal mit lila Beleuchtung

Splash Awards: So geht Preisverleihung

Bei den International Splash Awards hatten wir aus dem vergangenen Jahr noch etwas Luft nach oben gesehen.

In Wien waren sie wie ein regulärer Talk in das Vortragsprogramm integriert. Das wurde dem Anlass aus unserer Sicht nicht ganz gerecht – gerade wenn man die Atmosphäre der Splash Awards Deutschland und Österreich kennt.

Rotterdam hat das deutlich besser gelöst. Die International Splash Awards fanden im Theatersaal der SS Rotterdam statt. Eigene Location, eigener Rahmen, richtige Preisverleihung. So darf das sein.

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner*innen!

Und beim nächsten Mal reichen wir auch wieder Projekte ein. Zieht euch also warm an.

Collage aus zwei Bildern: Willemsbrug Rotterdam, kubische Häuser
Collage mit vier Impressionen aus Rotterdam: Skyline, Brücke, Platz, Kuppelgebäude

Und dann ist da noch Rotterdam

Vielleicht ist es bei einer Konferenz nebensächlich, in welcher Stadt sie stattfindet. Vielleicht aber auch nicht.

Rotterdam hat jedenfalls einen ziemlich starken Eindruck hinterlassen.

Nachdem große Teile der Stadt im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren, wurde Rotterdam neu aufgebaut – und hat dabei architektonisch offensichtlich beschlossen, sich nicht allzu viele Grenzen zu setzen.

Kaum eine andere europäische Stadt zeigt auf so engem Raum so viele unterschiedliche, eigenwillige und überraschende Gebäude. Für Menschen, die sich beruflich mit Gestaltung beschäftigen, ist das natürlich nicht ganz uninteressant.

Danke an das Team von DrupalJam für den Lunch Walk durch die Stadt. Die Mittagspause dafür zu nutzen, einmal rauszukommen und Rotterdam zu entdecken, war eine ziemlich gute Idee.

Zwei lächelnde Männer beim Selfie an einem See, einer zeigt Daumen hoch

Zwei Menschen sind auch eine Laufgruppe

Apropos Stadt entdecken.

Im Programm stand für jeden Morgen eine gemeinsame Laufrunde durch Rotterdam. Start um 7 Uhr. Klang gut. Also Laufschuhe eingepackt und hingegangen. Nur war am vereinbarten Treffpunkt: niemand.

Wie sich später herausstellte, gab es die Laufgruppe durchaus. Wir haben sie nur nicht gefunden.

Also sind Christopher und Max eben zu zweit losgelaufen.

Rotterdam am frühen Morgen, eine ziemlich leere Stadt und zwei BRANDCODE-Läufer auf ihrer ganz persönlichen DrupalCon Running Tour. Hätte schlechter laufen können.

Was bleibt?

Viele neue Ideen. Einige Themen, die wir uns jetzt genauer ansehen wollen. Neue Kontakte. Eine überraschend starke Stadt. Und die Erkenntnis, dass sich Drupal gerade an ziemlich vielen Stellen gleichzeitig bewegt.

AI verändert nicht nur einzelne Features, sondern Interfaces und Entwicklungsprozesse. Canvas wird erwachsener. Contribution soll breiter gedacht werden. Und gleichzeitig beschäftigt sich die Community damit, wie Drupal außerhalb der eigenen Bubble eigentlich wahrgenommen wird.

Vielleicht ist genau das die interessanteste Erkenntnis aus Rotterdam:

Drupal muss technologisch gerade weniger beweisen, als erklären, was längst möglich ist.

Daran können wir arbeiten.