Asterisk der Gender-Star (*)
Gendersensibel zu schreiben ist gar nicht so schwer. Und doch: Wir alle üben noch. Daher möchten wir uns im Vorfeld für jedes vergessene Sternchen oder jeden fehlenden Gap entschuldigen.
Geschlechtsneutrale Formulierungen
Geschlechtsneutrale Formulierungen gelten als besonders verständlich und barrierearm. Sie kommen ohne Sonderzeichen aus und funktionieren meist besser für Menschen mit Leseeinschränkungen, geringer Lesekompetenz oder wenig Deutschkenntnissen.
Beidnennung
Beide Geschlechter werden vollständig genannt, zum Beispiel „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ oder „Kunden und Kundinnen“.
Substantivierungen
Partizipien oder neutrale Substantive ersetzen geschlechtsspezifische Begriffe. Beispiele sind „Studierende“ statt „Studenten und Studentinnen“ oder „Lehrende“ statt „Lehrer und Lehrerinnen“.
Neutrale Begriffe
Geschlechtsneutrale Wörter vermeiden eine direkte Zuordnung. Zum Beispiel „Team“ statt „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ oder „Kundschaft“ statt „Kunden und Kundinnen“.
Umschreibungen
Sätze werden so formuliert, dass geschlechtsspezifische Begriffe nicht nötig sind. Zum Beispiel: „Die Veranstaltung hatte 150 Besuchende“ statt „150 Besucher/-innen“.
Typographische Kennzeichnung
Die Schreibweisen mit Sonderzeichen machen unterschiedliche Geschlechtsidentitäten sichtbar. Wie barrierefrei sie sind, hängt davon ab, wie gut sie lesbar, verständlich und technisch nutzbar bleiben. Besonders bei Screenreadern unterscheiden sich die Vorlesefunktionen je nach Software und persönlichen Einstellungen der Nutzer*innen.
Genderstern (*)
Der Genderstern setzt ein Sternchen innerhalb eines Wortes, zum Beispiel „Mitarbeiter*innen“ oder „Leser*in“. Er soll die Vielfalt von Geschlechtsidentitäten sichtbar machen. Viele Screenreader verarbeiten den Stern als kurze Pause, was von vielen Nutzer*innen als angenehm empfunden wird.
Genderdoppelpunkt (:)
Der Doppelpunkt wird innerhalb eines Wortes eingesetzt, zum Beispiel „Mitarbeiter:innen“ oder „Kund:innen“. Manche Screenreader machen an dieser Stelle eine längere Pause oder lesen „Doppelpunkt“ mit vor. Dadurch kann der Lesefluss unterbrochen werden.
Binnen-I
Beim Binnen-I wird ein großes „I“ im Wortinneren verwendet, etwa in „MitarbeiterInnen“. Screenreader lesen diese Form meist flüssig vor. Sie bildet allerdings nur männliche und weibliche Geschlechter ab.
Unterstrich (_) / Gender-Gap
Der Unterstrich, etwa in „Mitarbeiter_innen“ oder „Leser_in“, erzeugt oft eine sichtbare Lücke im Wort. Screenreader lesen ihn unterschiedlich – mal als Pause, mal als „Unterstrich“.
Schrägstrich (/)
Formen wie „Kund/-innen“ sind sprachlich etabliert und von der deutschen Rechtschreibung abgedeckt. Sie gehen jedoch meist von einem binären Geschlechterverständnis aus.
Mediopunkt (·)
Der mittige Punkt wird zum Beispiel in „Kund·innen“ verwendet. Typografisch ist er jedoch bereits anderweitig belegt und auf Tastaturen nicht direkt verfügbar. Auch die Darstellung und Vorlesefunktion unterscheiden sich je nach System und Screenreader.
Verbreitung und Akzeptanz der Genderformen
Präferenzen in der Community
Innerhalb der Communities gibt es unterschiedliche Sichtweisen. In der queeren Community hat sich der Genderstern als Symbol für Vielfalt etabliert. Menschen mit Behinderungen bewerten Sonderzeichen hingegen unterschiedlich: Manche bevorzugen den Stern, andere empfinden Stern oder Doppelpunkt als Hürde beim Lesen oder Vorlesen durch Screenreader.
DBSV: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband
Der DBSV empfiehlt möglichst ausgeschriebene oder geschlechtsneutrale Formulierungen, etwa „Team“ statt „Mitarbeiter*innen“. Wenn Kurzformen genutzt werden, wird der Genderstern bevorzugt. Der Doppelpunkt wird kritisch gesehen, da er den Lesefluss stören und von Screenreadern unterschiedlich interpretiert werden kann.
BFIT-Bund
Die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik spricht sich in einer Studie aus dem Jahr 2021 für den Genderstern in digitalen Anwendungen aus. Grundlage waren technische Tests sowie Befragungen von Menschen mit Behinderungen und LGBTIQ-Vertretungen.
Stiftung „Zugang für alle“
Die Schweizer Stiftung empfiehlt vor allem geschlechtsneutrale Sprache. Wo das nicht möglich ist, wird der Doppelpunkt bevorzugt, da er typografisch zurückhaltend ist und den Lesefluss weniger beeinflusst.
Wir folgen den Empfehlungen für barrierearme Sprache und orientieren uns an der Wahl der Community. Deshalb setzen wir bevorzugt auf geschlechtsneutrale Formulierungen – und nutzen den Genderstern (*) dort, wo er sinnvoll und inklusiv ist.