Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation Direkt zum Fußbereich
Insights
MDMF 2026 – Summit for Design in Motion

Der Mut zum Unfertigen.

Über kreative Neugier, die Lust am Experimentieren und einen Gedanken, der vom MDMF Summit in München geblieben ist.

Große violette aufblasbare Katzen-Skulptur vor Veranstaltungsgebäude

Was passiert, wenn wir einfach mal machen?

Motion Design Munich bringt Menschen zusammen, die sich für bewegte Gestaltung begeistern. Die Community schafft Raum für Austausch, Inspiration und neue Kontakte innerhalb der Münchner Motion-Design-Szene. Mit dem MDMF – Summit for Design in Motion – hat die Gruppe nun auch ein eigenes Event auf die Beine gestellt – mit Einblicken in kreative Projekte, spannenden Talks und jeder Menge Motion Design.

Zwischen beeindruckenden Animationen, neuen Tools und persönlichen Geschichten ist mir (Sarah Berenbrinker, Motion Designerin bei BRANDCODE) dabei vor allem eine Frage im Gedächtnis geblieben:

„Are we so obsessed with the outcome that we are forgetting to enjoy the process?“

Diese Frage stellte Hanna von MOIN MOTION während ihres Vortrags. Sie erzählte von einer Kinderzeichnung. Ein Pferd, das alles andere als perfekt war, aber einfach aus Freude am Zeichnen entstand. Die Erinnerung daran war so besonders, dass sich ihre Freundin das Motiv Jahre später sogar tätowieren ließ. Wow!

Eine schöne Erinnerung daran, wie selbstverständlich Kreativität einmal war. Ohne Briefing, ohne Deadline und ohne die Frage, ob sich der Aufwand eigentlich lohnt.

Vier Fotos mit Impressionen der Veranstaltung

Kreativität braucht Freiraum. Auch im Agenturalltag.

Im kreativen Berufsalltag sieht das häufig anders aus. Wir arbeiten mit Zeitplänen, Budgets und klaren Erwartungen. Natürlich müssen am Ende Ergebnisse entstehen. Schließlich ist Gestaltung nicht nur Leidenschaft, sondern auch unser Beruf. Doch gerade dort, wo wir uns erlauben, Dinge auszuprobieren, entstehen oft die spannendsten Ideen.

Dieser Gedanke zog sich durch mehrere Vorträge des MDMF. Kreative, die neue Techniken testen, mit ungewöhnlichen Stilen spielen und sich bewusst auf unbekanntes Terrain wagen. Nicht immer mit einem konkreten Ziel vor Augen, sondern aus Neugier auf das, was entstehen könnte.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass dafür im Arbeitsalltag nicht immer selbstverständlich Raum bleibt.

Auch bei BRANDCODE kennen wir diesen Spagat. Wir entwickeln Ideen, gestalten digitale Erlebnisse und setzen komplexe Projekte um. Dabei sind Erfahrung, Struktur und Effizienz wichtig. Aber wir wissen auch, dass gute Ideen nicht immer auf direktem Weg entstehen.

Deshalb versuchen wir ganz bewusst, uns Freiräume zum Experimentieren zu schaffen. Um neue Technologien kennenzulernen, gestalterische Ansätze zu hinterfragen oder einfach einmal etwas auszuprobieren, ohne das Ergebnis schon zu kennen.

Nicht jedes Experiment führt zu einer fertigen Lösung. Aber oft zu neuen Perspektiven, spannenden Erkenntnissen oder einem Ansatz, auf den wir sonst vielleicht nie gekommen wären. Manchmal ist der vermeintliche Umweg genau das, was uns kreativ weiterbringt.

Collage von drei Präsentationsszenen mit Rednern vor Publikum und Projektionsleinwänden

Und dann wäre da noch KI.

Als wäre der kreative Alltag nicht schon komplex genug, kommen ständig neue Werkzeuge hinzu. Gerade künstliche Intelligenz verspricht, Prozesse zu vereinfachen und Ergebnisse schneller zu liefern. Und ja, sie kann enorm hilfreich sein. Bei der Ideenfindung, beim Entwickeln von Referenzen oder bei einzelnen Produktionsschritten. Auch auf dem MDMF gab es dafür interessante Beispiele.

Aber der viel beschworene Knopf, der auf Anhieb perfekte Gestaltung liefert? Den gibt es so nicht.

Gute Gestaltung braucht weiterhin Erfahrung, ein geschultes Auge und Menschen, die Entscheidungen treffen. KI verändert unsere Möglichkeiten, nimmt uns aber nicht die Verantwortung für das Ergebnis ab.

Gleichzeitig kostet es Zeit, neue Technologien kennenzulernen, ihre Grenzen auszuloten und sie sinnvoll in unsere Arbeit einzubauen. Ein interessanter Widerspruch: Wir sollen immer effizienter werden, müssen dafür aber zunächst Zeit investieren, deren Nutzen sich nicht immer sofort messen lässt.

Für uns als Agentur ist das längst keine theoretische Diskussion mehr. Es geht darum, neue Möglichkeiten nicht einfach nur zu nutzen, weil sie verfügbar sind, sondern herauszufinden, wo sie tatsächlich einen Mehrwert schaffen. Für unsere Ideen, unsere Prozesse und letztlich für die Projekte unserer Kunden.

Vielleicht liegt genau darin eine wichtige Aufgabe für uns Kreative: neugierig bleiben, Bestehendes hinterfragen und ein gutes Gespür dafür entwickeln, welche Möglichkeiten unsere Arbeit wirklich bereichern.

Gelbe Haftnotizen mit handgeschriebenen Nachrichten an schwarzer Wand

Neugier braucht Raum.

Vom MDMF nehme ich neue Ideen, spannende Einblicke und vor allem einen Gedanken mit: Es lohnt sich, dem Experimentieren bewusst Raum zu geben.

Eine Haltung, die wir auch in unserem Agenturalltag leben und die mich nach diesem Tag einmal mehr überzeugt hat.

Denn Kreativität lebt nicht nur vom Ergebnis. Sondern auch von allem, was unterwegs passiert.

Ein Text von Sarah Berenbrinker